Freitag, 5. Februar 2016

Das eigene Buch mit Book-on-Demand?

Poster: Book-on-Demand - empfehlenswert?
Flyer, Abizeitungen oder Festschriften kann man heutzutage kostengünstig drucken lassen - dank des sog. "Print-on-Demand", das Aufträge in kleiner Auflage überhaupt erst möglich gemacht hat. Doch auch für (Hobby-)Autoren soll dieses Verfahren geeignet sein, das eigene Buchprojekt zu realisieren; das heißt dann "Book-on-Demand". In Profi-Qualität, aber ohne teure Aufwendungen für all die Tätigkeiten, die normalerweise von Angestellten eines Verlages erledigt werden.

Stimmt das?
Ist es wirklich so kinderleicht, wie die zahlreichen Online-Anbieter behaupten?
Sind die so hergestellten Bücher gleichwertig mit denen, die Verlage herausgeben?

Und was bedeuten die Begriffe "Book-on-Demand", "druckfertige Daten" und "Digtialdruck" überhaupt?

2014 habe ich Book-on-Demand genutzt, um ein Buch ( "Nimm's wia's kimmt" ) in kleiner Auflage drucken zu lassen, und von der Textverarbeitung bis zum Druckauftrag alles allein gemacht. Dabei war ich weder Computergenie noch hatte ich Fachkenntnisse aus dem Druckwesen. Ich war lediglich ein Laie aus der Generation Golf, der ein professionell anmutendes Buch haben wollte. Für all jene, die sich selbst ähnlich beschreiben würden, habe ich zusammengefasst, was ich im Laufe meines Projekts an Erfahrungen und Wissen gesammelt habe.

Was ist Book-on-Demand eigentlich? 

Book-on-Demand im engeren Sinne umfasst nur den (digitalen) Buchdruck an sich mittels einer druckfertigen Vorlage in Dateiform, die der Kunde zur Verfügung stellt. Sind zusätzliche Dienstleistungen nötig oder erwünscht (z.B. Druckdatenerstellung), werden diese extra berechnet. Günstige Kostenvoranschläge beruhen somit auf dem Ausschluss von vorbereitenden Tätigkeiten, außerdem auf dem Digitaldruckverfahren und einer beschränkten Materialauswahl. Daneben gibt es auch Internet-Plattformen speziell für Selbstverleger ("Self-publisher"), die umfangreichen Autorenservice anbieten (z.B. "Books on Demand"). Insbesondere Lektorat, Satz und Layout oder auch Marketingtipps.

Info: Durch die Entwicklung des Digitaldruckverfahrens, das so funktioniert wie bei uns daheim, werden die Daten vom Computer direkt an einen Drucker geschickt. Die Produktion ist damit billiger und schneller als beim aufwändigen Offset-Druck. Weil die digitale Vorlage gespeichert wird, ist ein Nachdruck jederzeit möglich (daher der Begriff "on demand / auf Abruf"). Klein- und Kleinstserien werden dadurch überhaupt erst möglich, denn mit dem herkömmlichen Verfahren rentiert sich das Drucken erst ab einer Auflage von etwa 1000 Stück.

Worin unterscheiden sich die Anbieter?

Hauptsächlich durch unterschiedliche Leistungsspektren und Preise. Manche beraten und betreuen die mit der Materie nicht vertrauten Privatkunden ausführlich, bei manchen sind Vorabdruck und Versand inklusive, manche bieten eine sehr eingeschränkte Auswahl an Papieren und Formaten und manche berechnen jegliche Serviceleistung extra.
Ich habe mir für diesen Artikel von neun zufällig ausgewählten Firmen Kostenvoranschläge für ein und dasselbe Projekt berechnen lassen:

Angebotsvergleich für Book-on-Demand-Projekt
Angebotsvergleich für Book-on-Demand-Projekt

Projektoptionen: Digitaldruck, 136 S., Auflage 200, innen s/w, Umschlag farbig mit Glanzkaschierung, Softcover, Werkdruckpapier 90 g und Glanzkarton 260 g (bzw. ähnliche Papiersorten), Vorlagen als druckfertige pdf-Dateien. Die Ergebnisse habe ich für euch in einer Tabelle zusammengefasst (Abb. rechts).


Ihr seht, die Preisunterschiede sind enorm. Was nicht unbedingt mit dem jeweiligen Leistungsspektrum zusammenhängt, wie die Angaben bei "Versandkosten" und "Bemerkungen" beispielhaft zeigen. Informiert euch also ausführlich; insbesondere, ob mehrmalige Datenprüfungen inklusive sind - denn ihr werdet immer was ausbessern/umändern müssen, bevor euer Werk in Druck gehen kann - und was sie beinhalten (s. nächster Abschnitt).

Ist Digitaldruck überhaupt für den professionellen Buchdruck geeignet?

Grundsätzlich ja. Bei Textmanuskripten ist die Qualität dieses Verfahren mit der des Offsetdrucks vergleichbar.
Einschränkungen gibt es allerdings beim Farbdruck. Die üblichen Digitaldruckmaschinen enthalten nur Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz, die Mischpalette ist daher eingeschränkt. Offsetmaschinen können mit weiteren Farbtönen bestückt werden und auch mit Sonderfarben wie z.B. mit Neon- oder Metalleffekt. Für Bildbände oder Werke mit goldenen Verzierungen muss man also das herkömmliche, teurere Verfahren wählen oder es werden beide Methoden kombiniert. (Allerdings geht die technische Entwicklung weiter; manch Hersteller hat bereits die neueste Generation an Digitaldruckern, die auch Schmuckfarben wiedergeben können.)

'Druckfertige Daten liefern':  Was bedeutet das genau?

Die Druckereien bzw. Online-Plattformen können ihre günstigen Angebote nur dann aufrecht erhalten, wenn keinerlei Arbeit mit der Manuskriptdatei mehr anfällt und sie direkt mit der sog. Druckvorstufe beginnen können. Dafür werden die Druckdaten im PDF-Format gebraucht, und zwar für Buchblock und Umschlag extra. (Bei Bildern muss die Auflösung stimmen, Schriftarten müssen eingebettet und das Farbsystem von RGB auf CMYK umgestellt sein.)
So, wie Manuskript und Einbanddesign abgegeben werden, so wird auch das gedruckte Buch aussehen. Mit den gleichen Seitenrändern, evtl. Tippfehlern, Umbrüchen, Textaufteilung usw. Jegliche Korrektur und optische Gestaltung muss man also vorher - selber - erledigt haben. Denn die Datenüberprüfung in der Druckerei kontrolliert nur, ob die technischen Einstellungen korrekt sind. Falls nicht, bekommt man eine Rückmeldung, was man ändern muss. Je nach Anbieter kann diese Prüfung anscheinend unterschiedlich umfangreich sein. Auch solltet ihr vorher sicher stellen, dass erneute Einsendungen der (verbesserten) Dateien im Preis inbegriffen sind. Ihr werdet nämlich mindestens zwei - meist aber eher mehr - Korrekturrunden mitmachen, bis die Druckdaten wirklich passen.

Wird mein Buch genauso wie eins aus dem Buchladen?

Technisch gesehen, ja. Druckbild, Zuschnitt, Bindung und Einband haben dieselbe Qualität. Ob euer Buch auch optisch professionell gemacht aussieht, ob es sich so anfühlt und lesen lässt, liegt nicht an der Druckerei, sondern an euch. Die Wahl des passenden Papiers und anderer Druckoptionen ist dabei noch die einfachste Sache.

Damit aus eurem rohen Manuskript ein perfektes, gebundenes Buch wird, sind viele Arbeiten notwendig, für die bei einem Verlag verschiedene Fachbereiche zuständig sind:
  • Dort wird eure Rohfassung rechtschriftlich, sprachlich und inhaltlich überarbeitet (Lektorat). 
  • Satz und Layout bestimmen die Optik des Buchblocks, wobei unzählige Dinge beachtet werden - von Schriftarten und Umbrüchen über das Einfügen von Leer- und Schmutzseiten bis hin zu Flächenverhältnissen. 
  • Für Illustrationen und Umschlaggestaltung sind Grafikdesigner verantwortlich 
  • und zu guter Letzt müssen die Vorlagen noch druckfertig gemacht werden.
Dahinter steckt sehr viel an Fachwissen und Computerkenntnissen, was ihr euch entweder selber aneignen müsst oder ihr lasst die entsprechenden Aufgaben doch von kundigen Leuten erledigen.
In jedem Fall ist es ratsam, die gesamte Vorlage in ausgedruckter Form zu prüfen und unbeteiligten Dritten zur Ansicht zu geben.
Ebenso hilfreich ist der Vergleich: Schaut euch die Bücher in eurem Regal zu Hause an. Wie sind sie aufgebaut, wie sind Satz und Layout gestaltet, was fällt optisch auf den ersten Blick auf (positiv oder negativ), was macht sie lesefreundlich oder auch nicht?

Das Auge liest mit, sagt der Profi. Legt Wert auf sehr gute optische, d.h. übersichtliche, Gestaltung, dann wird euer Buch auch so aussehen wie ens aus dem Buchladen.

Ist nun Book-on-Demand für eigene Buchprojekte empfehlenswert oder nicht?

Grundsätzlich ist es toll, nicht auf Verlage und Autorenverträge angewiesen zu sein, um das eigene Buch verwirklichen zu können. Book-on-Demand bietet auch die Möglichkeit, es genau nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, da es keinen Verleger gibt, der Vorgaben macht. Diese Freiheit bedeutet allerdings auch Anstrengung, denn es niemand da, der einem Entscheidungen abnimmt.

Bei Digitaldruck auf Basis einer fertigen Vorlage ist der Preis pro Exemplar wirklich günstig; und für viele vielleicht überhaupt nur dann erschwinglich. Der Verzicht auf jegliche Dienstleistungen im Vorfeld, also alles selbst zu überarbeiten und zu gestalten, ist allerdings ein Heidenstück an Arbeit, wenn man ein inhaltlich und optisch hochwertiges Buch als Ergebnis haben will.
"Kinderleicht ist es", sagen die Anbieter, "man muss nur zwei pdf-Dateien abgeben." (Zur Not auch noch im Dokument-Format, wenn man Probleme mit dem Konvertieren hat.) Trotzdem müssen Buchblock- und Einbandvorlage komplett fertig sein. Und dass es da sehr viel zu tun, zu wissen und zu beachten gibt, bis sie soweit sind, ist keinesfalls kinderleicht und liegt auch nicht jedem. Mit ein bisschen Word-Kenntnissen und fertigen Formatvorlagen ist es nicht getan.

Foto mit mehreren Exemplaren "Nimm's wia's kimmt"
"Mein" Buchprojekt

Ich habe wirklich alles allein gemacht und das Ergebnis ist sehr ansehnlich geworden. Aber fragt nicht, wie viel Zeit ich in das Projekt gesteckt habe! Unmengen an Stunden, die man dem fertigen Buch gar nicht ansieht, weil ich sie nur mit Informieren verbracht habe.
(Kennt ihr z.B. die Begriffe Schnittmarke, Beschnittzugabe und Beschnittzugabemarke und könntet auf Anhieb deren Unterschiede erklären?)

Wer sich das nicht zumuten will oder kann, hat zwei Möglichkeiten: Mit schlechterer Qualität zufrieden sein oder kundige Leute finden. Steht niemand im privaten Umfeld zur Verfügung, muss man für Dienstleistungen rund ums "Desktop-Publishing" noch einiges an zusätzlichen Kosten mit einrechnen.

Fazit:

Der Weg zum eigenen, professionell anmutenden Buch ist steinig - oder teurer. Wenn ihr euch mit einem davon anfreunden könnt, ist Book-on-Demand sehr wohl empfehlenswert. Drucktechnisch ist das Verfahren einwandfrei und die Kosten sind je nach den persönlichen Wünschen variabel. Mit Book-on-Demand könnt ihr ein sehr ansprechendes Buch herstellen lassen, wenn ihr auf die Optik genauso Wert legt wie auf den Inhalt und wenn ihr nicht am Aufwand spart, ob zeitlich oder finanziell. Für nix gibt's halt auch nix (Gescheites).

Ob Backbuch, Gedichtband, Roman oder wissenschaftliche Abhandlung - euer Projekt ist bestimmt etwas ganz Besonderes für euch und wahrscheinlich auch eine einmalige Sache. Das gedruckte und gebundene Endergebnis in Händen zu halten ist ebenso ein besonderes Gefühl, das ihr euch selbst nicht trüben solltet. Glaubt mir, ein misslungenes Umschlagdesign oder schlechter Textsatz wird euch auf ewig ärgern, jedes Mal, wenn ihr euer Werk anseht. Gebt euer Projekt also erst dann in Druck, wenn ihr rundum zufrieden seid.

Mochts as gscheit, nacha wirds aa wos Gscheits!

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