Freitag, 4. November 2016

JkS: Vom Scherenschnitt zur Umrissfigur

Du kannst grade mal den Computer einschalten, fertige Plotterdateien im Studio öffnen und schneiden lassen?
Ich wette mit dir, dass auch du in Kürze in der Lage sein wirst, zumindest einfachere Schneidedesigns selber zu erstellen!

Denn: JEDE kann Studio!

Ja, jede! Die richtigen Grundeinstellungen sind dabei das A und O, und zwar nicht im Programm, sondern in deinem Kopf! Schmeiß das Vorurteil "Frauen und Technik geht nicht zusammen" raus, trau dir was zu anstatt zu denken: "Ich kann das nicht." Keine Sorge, du wirst weder deinen Computer schrotten können noch den Dritten Weltkrieg auslösen. Die Beitragsreihe "Jede kann Studio" bietet kurze Lektionen zu jeweils nur einem Thema, so dass du Schritt für Schritt lernst mehr zu zeichnen als fade Rechtecke, Linien und Ellipsen.

HEUTE: Vom Scherenschnitt zur Umrissfigur

Um aus einer flächigen Form eine filigrane Umrissfigur zu machen, sind nur 2 Schritte nötig. Du wirst sehen, es ist wirklich leicht. Öffne schon mal das Studio, suche aus deinen Dateien solche simplen Vorlagen heraus oder erstelle dir ein paar Rechtecke und Kreise, mit denen du üben kannst. Wenn du die JKS-Übung "Figuren durch Zusammensetzen" gemacht und die Figuren gespeichert hast, kannst du diese hier wieder verwenden.

Das üben wir heute:
  1. Formen verschweißen
  2. Ein inneres Offset erstellen
  3. Formen zu einem Pfad verknüpfen
Außerdem zeige ich dir zum Schluss noch einen Trick, so dass du die Umrisse aussehen lassen kannst wie mit einem Marker gezeichnet.

Ist deine Scherenschnittfigur aus mehreren Elementen zusammengebaut, wie im Bild zu sehen ist, muss sie erst mittels Verschweißen in eine einzige Form verwandelt werden. Das erkläre ich im folgenden Abschnitt.
Ist deine Scherenschnittfigur bereits eine einzige Form, kannst du gleich zur eigentlichen Anleitung springen.


Elemente verschweißen

Im Silhouette Studio findest du das Werkzeug "Verschweißen" gleich drei Mal: in der Leiste unten, im Rechtsklick-Menü und im Fenster "Modifizieren".


Markiere alle Teile, die verbunden werden sollen, und klicke auf "Verschweißen". Das war's schon. Ist die Figur ungefüllt, siehst du es sofort.


Achtung: Es kann nur verschweißt werden, was sich überlappt. Wie in echt auch. Ist das nicht bei allen Teilflächen der Fall, wie im obigen Bild erkennbar ist, kommt als Ergebnis mehr als ein Objekt heraus.


1. Offset

Damit der Motivrand selbst geplottet werden kann, brauchen wir das, was uns beim Nachzeichnen oft stört: die doppelten Schneidelinien. Momentan haben unsere Motive nur eine. Macht aber nix, denn die zweite ist mit dem Werkzeug "Offset" ganz schnell gemacht.


Markiere deine Form, klicke in der Leiste oben rechts auf "Offset" und dann im Bearbeitungsfenster auf "inneres Offset".
(Im Screenshot kannst du sehen, dass ich zwei Formen gleichzeitig markiert habe; das Programm wird meine Vorgaben bei beiden umsetzen. Man kann also gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.)


Sobald du eine der Optionen "Offset" oder "inneres Offset" gewählt hast, wird der Fensterbereich darunter aktiviert. Nun kannst du einstellen, wie groß der Abstand der zweiten Schneidelinie zur eigentlichen Kontur sein soll (mit "Strecke" ist diese Funktion blöd übersetzt). Damit legst du die Dicke des späteren Umrisses fest.
Auf der Arbeitsmatte wird dir diese Offsetlinie bereits angezeigt und du kannst die Änderungen mitverfolgen.


Im Screenshot kannst du grüne Markierungen sehen. Du kannst nämlich noch entscheiden, wie das Programm Kanten darstellen soll - eckig oder rund. Letzteres ist voreingestellt und passt auch üblicherweise. Probiere beide Optionen aus - sie werden ja gleich angezeigt - und vergleiche. Wähle, was dir besser gefällt.
Bist du zufrieden mit den Einstellungen, klicke auf "Hinzufügen".

(Eigenart des Programms: Jeder Klick auf eine andere Studio-Funktion, egal ob Zoom oder Linienfarbe, bewirkt ebenso ein sofortiges Anwenden der aktuellen Einstellungen. Wundere dich also nicht, wenn plötzlich eine Offset-Linie da ist, obwohl du nur z.B. auf die Lupe geklickt hast.)

Ergebnis mit eingefärbter Offset-Form:


Jetzt ist deine Umrissfigur bereits plott- und entgitterbar!!

Probiere es doch gleich aus :-) Oder öffne zumindest das Fenster mit den Schneideeinstellungen und schau dir an, was rot markiert und damit geschnitten wird. (Stelle dazu sicher, dass die Elemente nicht auf "Rand schneiden" gestellt sind.)

Momentan hast du zwei Versionen deines Motivs auf der Matte - die Ausgangsform und die Offset-Figur dazu. Jede ist eigenständig. Ziehe doch einmal das eigentliche Motiv neben die Matte, dann wird es deutlich. Gesehen? Dann klicke auf den Rückgängig-Pfeil und schon ist das Teil wieder an seinem Platz!

Wir wollen heute aber nicht nur die Kontur einer Form plotten können, sondern wirklich ein ausgehöhltes "Outline"-Bild erstellen. Dazu ist nur ein weiterer Schritt nötig. Bereit?


2. Pfad

Im folgenden Screenshot siehst du dieselben Formen wie in dem davor. Ich habe nur die Ausgangsfiguren schwarz und die Offset-Figuren grau gefärbt, um das Ergebnis des 2. Schrittes sichtbar zu machen.
Übrigens: Eine mit innerem Offset erstellte Form liegt automatisch im Vordergrund, also vor dem ursprünglichen Motiv. Im Bild ist das gut zu sehen.


Markiere beide Versionen deiner Form. Für die Outline-Figur brauchst du das Werkzeug "Pfad erstellen". Der Screenshot zeigt dir, dass du dieses Tool an 2 Orten im Programm findest: entweder im Fenster "Modifizieren" oder indem du die rechte Maustaste klickst und damit ein Menü öffnest. Nun verknüpfe deine beiden Formen zu einem sog. Pfad.


Tadaa! Der graue Zylinder ist verschwunden und vom schwarzen ist nur mehr der schmale Umriss übrig. Alles innerhalb davon ist nun ein Loch in der Form und der weiße Untergrund ist zu sehen.

Hast du deine Formen zu einem Pfad verknüpft? Dass es funktioniert hat, deutet der einzelne Objektrahmen an (statt vorher 2). In der Schneideansicht ist kein Unterschied zu vorher erkennbar. Richtig zu sehen ist das Ergebnis, wenn die Figur eine Füllfarbe hat.


Zusammenfassung:


Du kannst nun aus einer einfachen Scherenschnitt-Silhouette ein interessanteres Outline-Motiv machen. Und das in nur 2 Schritten!
I: inneres Offset erstellen
II: zum Pfad verknüpfen
Am besten übst du das gleich noch mit ein paar weiteren Formen, damit sich dein neues Wissen etwas festigt. Und experimentiere ruhig etwas herum! Erstelle z.B. mehrere Varianten eines Motivs mit unterschiedlich dicken Rändern. Oder probiere aus, wie es aussieht, wenn du statt "inneres Offset" ein normales (äußeres) Offset anklickst. Ergebnisse, die dir nicht gefallen, kannst du ja jederzeit wieder rückgängig machen oder löschen.


So, und zum Schluss noch ein kleiner Trick :-D
Von Hand gezeichnete Umrissbilder haben oft mehr Charme. Weil sie nicht ganz perfekt sind und/oder wenn die Strichstärke unterchiedlich ist. Letzteres kannst du ganz leicht nachahmen! Und das geht so:

→ Erstelle ganz normal ein Offset deines Motivs.
→ Verschiebe eine der beiden Flächen etwas, so dass sie nicht mehr zentriert ist (s. Abb.). Auf diese Weise wird der Rand auf einer Seite dicker und auf der anderen dünner - wie bei einem Marker.
→ Verknüpfe ganz normal zum Pfad.

Auch hierbei kannst du experimentieren! Wie wär's mit Drehen oder Verzerren (nur Länge oder Breite verändern)? Oder einer Kombination aus allen Dreien? Erlaubt ist, was gefällt.


Vül Spaß beim Umanandprobiern!

3 Kommentare :

  1. Vielen Dank für dieses ausführliche Tutorial!
    Gruß Verena

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  2. Danke für diese tolle Grundlagenerklärung. Gruß Roswitha

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  3. Sehr, sehr gern geschehen, Verena und Roswitha :-)
    Farbenfrohe Grüße zurück

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Dankeschön für deine Nachricht :-)
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